Die Abnahme der Schwimmfähigkeit der Deutschen ist in den letzten Jahren viel diskutiert worden, auch in Schleswig-Holstein. Aus diesem Grund freuen sich vor allem Verfechter des Schwimmens über den geplanten Bau eines neuen Schwimmbades. Ein Gespräch mit Thies O. Wolfhagen, Landesgeschäftsführer der DLRG.

Herr Wolfhagen, warum wäre der Bau einer Schwimmhalle ein Gewinn für Heiligenhafen?

Vor dem Hintergrund der seit Jahren sinkenden Zahlen nutzbarer Schwimmsportstätten in Schleswig-Holstein und deutschlandweit begrüßt die DLRG jeden Neubau von Schwimmsportstätten, die Vereins- und Schulschwimmen realisierbar machen und den Nutzenden ortsnahe Möglichkeiten bringen. Nach der Schließung der Schwimmhalle in Oldenburg im Jahr 2005 fehlt der Region zur Deckung aller Bedarfe eine ebensolche Schwimmsportstätte.

Wie hat sich die Schwimmfähigkeit der Deutschen verändert?

Nach einer bundesweiten Erhebung der DLRG besitzen fast 60% der Kinder am Ende der Grundschulzeit kein Jugendschwimmabzeichen und sind somit keine sicheren Schwimmer. Über 20% der Grundschulkinder haben am Ende der 4. Klasse noch nicht einmal die Seepferdchen-Prüfung absolviert. Das belegt eine repräsentative Forsa- Bevölkerungsbefragung aus dem Jahr 2017. Zahlen, die auch auf Schleswig-Holstein zutreffen, obwohl man im Land zwischen den Meeren und mit zahlreichen Binnenwasserflächen etwas anderes erwarten müsste!

Warum ist die Seepferdchen-Prüfung so wichtig?

Die Seepferdchen-Prüfung stellt den Einstieg in die Welt des Schwimmens dar und ist von besonderer Wichtigkeit, um Schwellenängste abzubauen und Neugierde zu wecken. Als sicherer Schwimmer wird aber erst bezeichnet, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze („Freischwimmer“) erfüllt.

Was sollte getan werden, um die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung zu fördern?

All diese Erkenntnisse sprechen für ein möglichst flächendeckendes Angebot an Schwimmsportstätten. Eine Begründung aus wiederholten Abfragen an Schulen und Vereinen, warum Schwimmunterricht/Schwimmausbildung und -training nicht wahrgenommen werden können, sind die großen Entfernungen zu geeigneten Schwimmhallen bzw. die Tatsache, dass sich in den wenigen geeigneten Hallen keine freien Zeiten mehr finden.

Welche Vorteile würde ein Schwimmbad für Heiligenhafen bringen?

Konkret auf Heiligenhafen bezogen würde der Neubau einer Schwimmsportstätte auch den nächstliegenden DLRG-Gliederungen intensiv bei ihrer engagierten Schwimmausbildung unter die Arme greifen. Für diese nehmen Trainer*innen und Eltern bislang teils große Fahrtstrecken zu einer erreichbaren Schwimmhalle in Kauf. 

Welche Aspekte sollten beim Bau eines Schwimmbades berücksichtigt werden?

Aus fachlicher Sicht der DLRG – als größte ehrenamtliche Wasserrettungsorganisation der Welt und größte Schwimmausbilderin Deutschlands – muss ein solcher Schwimmbadneubau neben den touristischen Aspekten auch Schwimmbahnen und -becken umfassen, die sportliches Schwimmen ermöglichen, dann wäre die Möglichkeit geboten, (Anfänger-) Schwimmunterricht bzw. Trainingszeiten regelmäßig und abseits der touristischen Nutzung anzubieten.

Welche Folge hat die sinkende Zahl der Nachwuchsschwimmer langfristig?

Ohne Nachwuchsschwimmer fehlen den Vereinen und Verbänden – so auch uns in der DLRG – die Nachwuchskräfte, die sich z. B. zu Rettungsschwimmern oder Schwimmtrainern ausbilden lassen.  Schon heute erlangen nur etwa 10% aller Schwimmer z. B. ein Abzeichen als Rettungsschwimmerin oder Rettungsschwimmer! Dies kann langfristig auch Auswirkungen im touristischen Bereich nach sich ziehen, stellt doch die DLRG jährlich bis zu 120 ehrenamtliche Rettungsschwimmer*innen, die für die Sicherung des Badebetriebes am Strand von Heiligenhafen sorgen.

Wie kann die Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen gezielt gefördert werden?

Eltern, Schulen und Vereine brauchen geeignete Schwimmsportstätten in erreichbarer Nähe.

Die DLRG stellt jährlich bis zu 120 ehrenamtliche Rettungsschwimmer*innen zur Badesicherheit am Strand.

Schwimmen – ein zentrales Thema für Urlauber, Einheimische und die DLRG.

Hier geht es zur kompletten Ausgabe des HeiligenHAFENERs.

            Text: Hanna Meiners